Die Frauen, die im Herbst 2003 für das nationale Parlament kandidierten, waren in den Zeitungen weniger präsent als männliche Kollegen. Die Eidg. Kommission für Frauenfragen wirft den Medien vor, damit gesellschaftlich Ungleichheiten zu zementieren.
Für eine im Auftrag der Kommission erstellte Studie wurde die Wahlberichterstattung von 15 Tages- und Sonntagszeitungen aus allen drei Landesteilen analysiert. Deren Ergebnisse wurden am Montag veröffentlicht. Gemessen am durchschnittlichen Kandidatinnenanteil von 35 Prozent waren die Frauen mit einer Präsenz von 25 Prozent der Nennungen in den Artikeln zu den Wahlen klar untervertreten. Das negative Muster gilt durchgehend für alle Parteien, wenn auch nicht im gleichen Masse.
Unter den Bundesratsparteien wurden die SP-Kandidatinnen in den Medien am häufigsten genannt (48 Prozent der SP-Nennungen, Frauenanteil auf den Wahllisten 53 Prozent), gefolgt von den Frauen der FDP (35 Prozent der FDP-Nennungen, Listenanteil 37 Prozent). Das relativ gute Ergebnis hängt auch damit zusammen, dass 2003 Frauen SP und FDP präsidierten. Die CVP verzeichnet bei den Mediennennungen einen Frauenanteil von 19% (Listenanteil 30 Prozent). Bei der SVP sind es 5% (Listenanteil 18 Prozent).
Kandidierende Frauen kommen also in den untersuchten Zeitungen weniger oft vor, als es ihr Anteil auf den Wahllisten erwarten liesse. Damit -- so folgert die Eidg. Kommission für Frauenfragen in einem Communiqué -- würden die Medien gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken und Politik tendenziell als Betätigungsfeld für Männer bewahren. Die im Gange befindliche gesellschaftliche Öffnung in Richtung Geschlechterdemokratie finde wenig Niederschlag. Diese Verstärkung von traditionellen Geschlechtermustern zeige sich auch in anderen Bereichen. So liege etwa der Anteil von Journalistinnen, die als Autorinnen von Wahlartikeln auftreten, mit 17 Prozent deutlich unter dem Anteil der Frauen im schweizerischen Journalismus (32 Prozent).

