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KI in Podcasts: Vertrauen lässt sich nicht automatisieren

KI-generierte Podcasts fluten gerade den Markt. Fast 40 Prozent aller Neupublikationen sollen maschinell produziert sein. Das klingt nach Disruption – es ist Inflation, mehr nicht.

«Wir haben das grösste Indie-Podcast-Netzwerk gebaut», heisst es auf der Website von Inception Point AI. Man habe 4000 Podcasts veröffentlicht, die mehr als 3000 Folgen pro Woche publizierten und damit über zehn Millionen Menschen erreichten. Eine beeindruckende Statistik. Der Clou: Alle diese Formate sind komplett mit KI erstellt und jede Folge kostet weniger als einen Dollar, wie die Gründerin des Start-ups auf CNN erklärte.

Laut einer neuen Studie von Podcast Index sollen während des Untersuchungszeitraums 39 Prozent aller neuen Podcasts mit KI erstellt worden sein. Aber was haben Firmen wie Inception Point AI von dieser Unmenge an Content? Ganz einfach: Es ist ein lukratives Geschäft. Denn mit programmatischer Werbung in diesen zum Teil extremen Nischen-Podcasts sind die CPMs zwar extrem klein, aber mit dem riesigen Volumen werden einzelne Rappen zu Tausenden von Franken.

Geldmaschine hin oder her – künstliche Intelligenz wird immer besser im Erstellen von Audio-Content. Die Gespräche werden natürlicher, die «Personen» sind emotional, sie lachen, sind erstaunt oder fragen nach. KI produziert strukturiert, effizient und skalierbar. In engen Utility-Settings – ein Wetterbericht, ein kurzes Erklärstück oder eine Produktzusammenfassung – kann KI-Audio durchaus einen Zweck erfüllen. Aber: Information ist nicht dasselbe wie Erlebnis.

Das Vertrauensproblem

Podcasts funktionieren, weil es ein menschliches Medium ist. Die Stimme der Moderatorin geht direkt in unser Ohr. Eine emotionale Bindung entsteht, die grösser wird, je länger wir den Hosts zuhören. Das erklärt auch das Phänomen der Live-Podcasts. Zivadiliring füllten mit 10'000 Menschen das Hallenstadion, die Thronfolge-Shows waren neun Mal ausverkauft und das Kaufleuten in Zürich hat eine eigene Kategorie für Live-Podcasts eingeführt. Die Hörenden vertrauen den Hosts, sie identifizieren sich mit ihnen und fühlen sich als Teil einer Community.

Podcasts leben von zwei Beziehungstypen: Einerseits Glaubwürdigkeit (wir hören «NZZ Weekend», den persoenlich.com-Podcast oder «SRF News Plus» wegen der journalistischen Qualität). Diese Formate funktionieren wegen der Recherche, der Haltung und der Meinung der Hosts. Aber auch wegen der Verantwortung, die sie übernehmen. Das Vertrauen basiert auf Kompetenz.

Der zweite Beziehungstyp ist Zugehörigkeit (wir fühlen uns mit den Hosts von sogenannten Laberpodcasts verbunden). Die Moderatoren werden zu «Freunden», wir erhalten Einblicke in ihr Leben und kennen Insider-Witze. Wir vermissen sie, wenn wir eine Zeitlang nicht mehr zuhören. Das Vertrauen basiert auf Nähe und Identifikation. Beide Beziehungstypen sind fundamental menschlich und beide sind für KI unerreichbar.

KI kann Podcasts produzieren. Aber sie kann keine Meinung vertreten, keine Freundschaft aufbauen und nicht vermisst werden. Vertrauen entsteht durch Menschen und genau das ist die Zukunft des Mediums.



Andreas Wullschleger ist Gründer und Geschäftsführer der Podcast-Agentur Ellie Media in Zürich. Das Team produziert unter anderem für die NZZ am Sonntag («NZZ Weekend») oder für Annabelle («Queens»). Als Publisher produziert Ellie Media auch eigene Formate wie «Hasse mit Liebe», «Schuelfrey» oder «Hä?».

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KOMMENTARE

Peter Wullschleger
26.05.2026 14:45 Uhr
Wie wahr! Sehr gut analysiert! Nicht die Masse zählt!