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Roger Elsener: Die richtige Wahl – aus den richtigen Gründen

Als der Blick kurz nach Nathalie Wapplers Rücktrittsankündigung im September sein Kandidatenkarussell in Gang setzte, schrieb ich: Am meisten überzeuge mich Roger Elsener. Und ich ergänzte sogleich einen Vorbehalt – bei SRF müsste er abbauen statt ausbauen, das sei wenig verlockend. Offenbar sah er das anders. Gut so. Am Mittwoch wurde Elsener in Bern als neuer SRF-Direktor vorgestellt – per 1. Mai tritt er seine neue Stelle an.

Die kritischen Stimmen liessen nicht lange auf sich warten: Elsener sei kein Journalist, sondern ein Unterhaltungsprofi – jemand, dem das Gespür für Information und Service public fehle. Doch: Wer ihn auf den «Bachelor» reduziert, greift zu kurz.

Elsener bringt über 20 Jahre Erfahrung in der TV-Landschaft mit – von regionalen Sendern über nationale Unterhaltungskanäle bis hin zum internationalen Plattformgeschäft bei Zattoo. Im nationalen TV-Geschäft prägte er die Branche: Er gründete Sender, lancierte Formate und brachte internationale Unterhaltungskonzepte wie «Ninja Warrior» und «Sing meinen Song» in die Schweiz. Bei TeleZüri und den anderen zu CH Media gehörenden TV- und Radiosendern hat er den dortigen Macherinnen und Machern vertraut, statt dreinzureden. Das ist kein Desinteresse am Journalismus – das ist Führungskompetenz.

Manchmal wird er als unnahbar, verschlossen oder introvertiert wahrgenommen. Wer ihn näher kennt, erlebt das Gegenteil: einen zugänglichen, herzlichen Menschen.

Bereits als ich Elseners Namen im Februar 2024 erstmals für die SRG-Generaldirektion ins Spiel brachte, hielt ich ihn für einen valablen Kandidaten. Im Nachhinein bin ich froh, dass es anders kam. Die Generaldirektion ist ein hochpolitisches Amt. Elseners Stärken liegen woanders: im operativen Geschäft, im digitalen Wandel, im Verhandeln mit Marktpartnern auf Augenhöhe. Bei SRF kann er genau dort ansetzen.

Dass Elsener jahrelang auf der Gegenseite sass – als harter Verhandlungspartner der SRG –, ist kein Makel, sondern ein Vorteil. Er weiss, was Private leisten können und was nicht. In der jetzt beginnenden Konzessionsdebatte ist das Gold wert. Und wer Röstis Einschränkungspläne für die SRG-Unterhaltung abwehren will, braucht jemanden, der weiss, wo die Grenze zwischen Service public und privatem Angebot wirklich liegt – und das nicht nur behauptet, sondern belegen kann.

Die Frage, ob Elsener eine echte Vision für den Service public entwickeln kann – über Effizienz und Digitalisierung hinaus –, ist noch nicht beantwortet. Ob er inhaltliche Impulse setzt oder primär als Sanierer in Erscheinung tritt, wird sich zeigen. Ich bin optimistisch. Mit der Überzeugung, dass die SRG mit Elsener eine Wahl getroffen hat, die mehr Substanz hat, als der Erstblick vermuten lässt.

Das Karussell hat an der richtigen Stelle gestoppt.



Christian Beck ist Redaktionsleiter von persoenlich.com.

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KOMMENTARE

Manfred Joss
13.03.2026 10:21 Uhr
Einverstanden, aber wieso soll Introvertiertheit ein Hindernis für eine solche Führungsposition sein? Und das gar noch als Steigerung von „unnahbar und verschlossen“ (was inhaltlich falsch ist)? Intro- oder Extrovertiertheit ist kein Kriterium für diesen Job.
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