Anfang Mai diskutierten die CEOs der grössten Schweizer Medienhäuser im KKL Luzern zwei Tage lang über die Zukunft der Branche. Was in keinem Panel vorkam, nicht als Schlagwort, nicht als Fragestellung: Qualität. Reto Vogt, Co-Präsident des Vereins Qualität im Journalismus (QuaJou), hielt diesen Befund in einem Newsletter nüchtern fest – nicht als Vorwurf ans SwissMediaForum, sondern als Symptom der Branche.
Kaum zwei Wochen später liefert die Branche den nächsten Beweis: Der Verein Medienqualität Schweiz (MQS) löst sich per Ende 2026 auf. Der Grund ist so banal wie bezeichnend – das Geld fehlt. «Bedeutende Donatoren haben ihr langjähriges Engagement beendet. Es gelang uns nicht, andere Unternehmen zu finden, welche in ähnlichem Umfang bereit waren, unsere Arbeit zu unterstützen», sagte Initiator Andreas Durisch zu persoenlich.com.
Das Herzstück des MQS war das Medienqualitätsranking: Alle zwei Jahre bewertete es gemeinsam mit dem Fög der Universität Zürich, der Universität Fribourg und der Hochschule Luzern die Schweizer Medien nach Kriterien wie Relevanz, Vielfalt, Einordnungsleistung und Professionalität – eine Art Gütesiegel für die Branche, unabhängig erstellt und öffentlich einsehbar. Es wird nicht weitergeführt.
Die Kosten: laut eigenen Angaben zwischen 400'000 und 500'000 Franken pro Jahr. Finanziert wurde das Ranking grösstenteils von Donatoren aus der Wirtschaft mit Jahresbeiträgen zwischen 10'000 und 50'000 Franken. Immerhin: Die wissenschaftlichen Institute wollen sich Anschlussprojekten der Forschung zur Entwicklung der Medienqualität widmen.
Ich war bis vor wenigen Tagen selbst Vorstandsmitglied beim QuaJou und weiss aus nächster Nähe, wie es sich anfühlt, für ein Thema einzustehen, das die Branche zwar verbal hochhält, aber kaum finanzieren will. Auch beim QuaJou war das Jahresergebnis 2025 schlechter als budgetiert. Das MQS-Restvermögen – «wenige Tausend Franken» – geht nun als Spende an den QuaJou. Eine grosszügige Geste – und eine treffende dazu: Die eine Organisation, die sich mit Qualität in den Medien befasst, übergibt ihre letzten Mittel der anderen, notabene einzigen, die noch steht.
Qualität im Journalismus braucht nicht nur guten Willen, sondern Strukturen, Menschen – und eben auch Geld. Dass ausgerechnet in einer Phase wachsender Medienkonzentration, politischer Polarisierung und zunehmendem Misstrauen gegenüber etablierten Titeln jene Organisationen unter Druck geraten, die sich der journalistischen Qualität verschrieben haben, ist mehr als ein Finanzierungsproblem.
Es sagt alles über die Prioritäten einer ganzen Branche.
Christian Beck ist Redaktionsleiter von persoenlich.com.



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Medienkrise: Qualität hat keine Lobby