Das mögliche Ende des SonntagsBlicks verdrängte für einen kurzen Moment sogar Breel Embolos Aussetzer und Helene Fischers Auftritt im Letzigrund aus den Schlagzeilen. Was aussergewöhnlich ist, da über die SoBli-Einstellung schon mehrfach spekuliert wurde, was die Ringier-Pressestelle jeweils mantramässig zu einer Standardfloskel nötigt, die weder Bestätigung noch Dementi ist. Doch diesmal scheint es ernster als sonst. Was sich schon daran zeigt, dass der erste Chefredaktor des SoBli, Ringier-Legende Fibo Deutsch, im Konkurrenzblatt Tagi «wunderbare Zeiten» hochleben liess, als die Leserzahlen noch hoch waren und die Inserateeinnahmen sprudelten. Doch dies ist – wie wir alle wissen – Vergangenheit.
Trotzdem von der Seitenlinie nun ein zögerlicher Zwischenruf: Bitte stellt den SoBli nicht ein! Gewiss, die kommerziellen Voraussetzungen waren auch schon besser, Druck- und Verteilkosten sind massiv und vieles kann man mittlerweile über das Internet verbreiten. Doch am Ende ist eine Sonntagszeitung eine Zeitung, die sonntags erscheint. Ein Ritual am siebten Tag der Woche. Natürlich wäre die Option, sich publizistisch auf den Samstag zu fokussieren, prüfenswert. So wie es Schweiz am Wochenende mit Erfolg praktiziert. Das Problem dabei: Der SonntagsBlick als historisch eingeführter Langzeitbrand heisst nun mal SonntagsBlick und nicht Blick am Wochenende oder Blick am Samstag. «Sonntags … nie!» ist nicht nur ein fantastischer Film, sondern wäre in diesem Fall eine suboptimale Variante.
Vielleicht erinnert dieser Einwurf ein bisschen an mediale Aktivdienstgenerations-Nostalgie. Das ist gut möglich, vielleicht aber auch nicht. Der Schreibende ist immer noch der Überzeugung, dass zur Ausstrahlung eines Medienbrands auch dessen haptische Präsenz gehört. Die Strahlkraft von Cash beispielsweise war unzweifelhaft stärker, als es noch in gedruckter Version erschien – bei allen nachvollziehbaren Argumenten, die vor bald 20 Jahren zu dessen Einstellung führten.
Chefredaktor Reza Rafi hat dem SoBli seine alte Stärke zurückgegeben. Der SonntagsBlick ist – und das sollte man nicht vergessen – ein wichtiger Teil des hiesigen Medienuniversums und gehört zu den Aushängeschildern des Ringier-Verlags. Nicht zuletzt wegen der Langzeitkolumne des ersten Journalisten des Hauses, Frank A. Meyer. Auch den – rückblickend gesehen – spektakulärsten Skandal des letzten Vierteljahrhunderts hat uns der SoBli geschenkt: die Borer-Affäre. Selbst wenn man dies an der Dufourstrasse nicht so gerne liest – diese Story gehört mittlerweile zum eidgenössischen Volksinventar.
An der SoBli-Spitze stand die Crème de la Crème der Branche: von Fibo Deutsch bis zu Peter Balsiger, Peter Rothenbühler, Fridolin Luchsinger, Hannes Britschgi, Bernard Weissberg, Mathias Nolte, Christine Maier, Christoph Grenacher oder eben Marc Walder – heute CEO und Mitbesitzer des Ringier-Verlags. Von ihm stammt das pointierte, provokante und sicher nicht falsche NZZaS-Interview an Ostern, wonach die Interneterlöse bei den meisten Medien unter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Die Meinung von Walder – und Verleger Michael Ringier – dürfte bei einer allfälligen Einstellung des SoBli schlussendlich matchentscheidend oder zumindest sehr gewichtig sein. Möglicherweise schwingt bei diesem Entscheid auch ein bisschen Melancholie mit. Und vielleicht – so die leise Hoffnung des Schreibenden – erinnert sich Marc Walder auch an sein berühmtes NZZaS-Interview, wonach selbst das Internet nicht alles sei. Für den SoBli träfe dies zu.
Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persoenlich.com.
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20.07.2026 17:51 Uhr



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Ringier: Bitte stellt den SoBli nicht ein!