Gilles Marchand warnte vor dem Schritt, den seine Nachfolgerin jetzt vollziehen muss. Vor genau zwei Jahren sagte der damalige SRG-Generaldirektor: «Eine weitere Schwächung würde sich mit Sicherheit negativ auf die Qualität der Programmleistungen auswirken, und zwar in allen Regionen. Zum Nachteil des Publikums.»
Marchand stellte sich im November 2023 öffentlich gegen die Absicht des Bundesrats unter Federführung von SVP-Medienminister Albert Rösti, die Medienabgabe um 35 Franken auf 300 Franken pro Haushalt und Jahr zu senken. Mit dem Rückgang der Werbung und der Teuerung hätte dies einen Abbau von 900 Stellen zur Folge, rechnete Marchand vor. Seine Warnung verhallte im Leeren. Ja, man hielt sie für Bluff und Jammern auf Vorrat. Bald darauf entschied sich der Romand, die SRG-Spitze vorzeitig zu verlassen.
Dass Marchand nicht geblufft hatte, zeigt die Ankündigung von Susanne Wille, 900 Stellen bis zum Jahr 2029 abzubauen. Wille bemüht sich, das Beste aus der Situation zu machen und die Transformation des Unternehmens voranzutreiben. Sie sehe es als ihre Pflicht an, die SRG zu verändern, so Wille gegenüber persoenlich.com. Dabei will sie die regionale Verankerung «als DNA der SRG» bewahren. Doch zaubern kann auch Wille nicht. Ein Leistungsabbau wird unvermeidbar bleiben.
Das ist der Preis, den die SRG für ein taktisches Manöver von Bundesrat Albert Rösti zahlt. Die «bescheidene» Reduktion der Medienabgabe um 35 Franken sollte der Halbierungsinitiative den Wind aus den Segeln nehmen. Diese fordert eine Senkung um 135 Franken auf 200 Franken pro Haushalt und Jahr sowie eine komplette Befreiung der Unternehmen von der Abgabepflicht.
Sollte am 8. März 2026 eine Mehrheit der Stimmberechtigten die Halbierungsinitiative ablehnen, kann der Medienminister mit Fug behaupten, sein Vorgehen habe einen noch grösseren Sparzwang abgewendet. Und sollte die Initiative angenommen werden, wäre das ja auch ein bisschen sein Erfolg, schliesslich brachte er das Vorhaben mit auf den Weg als SVP-Nationalrat. Der Gewinner heisst in beiden Fällen: Albert Rösti.
Nick Lüthi ist Redaktor von persoenlich.com



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Der Gewinner heisst Albert Rösti