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Lache isch gsund

Matthias Ackeret

Es gibt sie immer noch – TV-Sendungen, die zu einem nationalen Ereignis werden. Der Auftakt der neuen SRF-Comedy-Sendung «Late Night Switzerland» vom vorletzten Sonntag war ein solches. Die mediale Resonanz nährte den Verdacht, dass Humor möglicherweise eine Kernkompetenz des Schweizers sei. Gemäss der Devise des Fast-Nationalheiligen Kliby: «Lache isch gsund». Die Kritiken waren – wenig überraschend – überwiegend schlecht (persoenlich.com berichtete). Es scheint hierzulande noch mehr Humorexperten als Fussballverständige zu geben. Und meist sind die Hauptkritiker diejenigen, die die Sendung selber nie anschauen.

Trotzdem meisterte Moderator Stefan Büsser die Premiere souverän, die Stimmung im Kaufleutensaal war ausgelassen, die Gags kamen – vor Ort – gut an. Und bei der zweiten Sendung setzte Büsser einen drauf, indem er Popstar Jan «Seven» Dettwyler die bösesten Kritiken vorsingen liess. Was von Selbstironie zeugt, einen schönen Song ergab und den leisen Verdacht nährt: Zürcher können zwar nicht mehr Bundesrat, dafür möglicherweise Comedy. Büsser lebt in der Agglomeration Zürich, auch seine Vorgänger Deville, Giacobbo und Müller sind im Kanton ansässig. Ursprünglich wollte die Kabarettistin Patti Basler die Sendung moderieren. Mit dem Pseudonym «Patrick Zürcher» hätte es vielleicht geklappt.

Die Premiere wirkte übrigens als erstes Reduit gegen die Halbierungsinitiative: SRF-Direktorin Nathalie Wappler und Edi Estermann, Sprecher des Generaldirektors, sassen bei der Premiere im Publikum, Medienminister Albert Rösti – Zitat Büssi: «Mein oberster Chef» – war erster Stargast.

Eine alte Tradition: Auch Vorvorgängerin Doris Leuthard besuchte 2016 die Giacobbo-Müller-Dernière. Mit dem winzigen Unterschied, dass Leuthard als ausgesprochen SRG-freundlich galt. Dafür spielt Rösti – wie er bei seinem Auftritt bewies – besser Schlagzeug. Im Sinne der nationalen Ausgewogenheit könnten Büsser und er sogar den Job tauschen. Dann hätte Zürich wieder einen Bundesrat und der oberste SRG-Kritiker wäre eingebunden. Und sollte es mit dem Rösti-Büsser-Wechsel nicht ganz klappen, könnte Seven dazu noch seinen grössten Hit singen: «Egal was du tust».


Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com.

 

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Kommentare

  • Urs Obrist, 20.02.2024 15:40 Uhr
    Die beiden ersten Sendungen waren jetzt nicht gerade ein Katastrophe, aber eine Offenbarung schon gar nicht. Abgesehen davon, dass Büsser noch nie wirklich lustig war, bedient das Sendegefäss den biederen schockfreien und harmonischen CH-Humor. Es wäre vermessen, in Büsser einen neuen Jimmy Fallon zu erwarten, aber etwas weniger bieder und VORA ALLEM LUSTIGER dürfte es zwangsweise schon sein. Momentan würde ich die Sendung viel weniger spritzig, witzig und apitzig als die von Deville sehen. Und ehrlich? Ich habe sehr geringe Hoffnung, dass das besser werden soll...
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