Zürich ist fast alles: Das Niederdorf ein bisschen Reeperbahn, der Mythenquai ein bisschen Cote d’Azur und die Bahnhofstrasse ein bisschen Champs-Elysees. Nur die Maag-Halle ist wirklich Broadway – und zwar seit dem ABBA-Musical «Mamma Mia», das bis gestern Sonntag 40. Mal gespielt wurde, erst recht. Entgegen einigen Befürchtungen wurde die Dialektfassung kein Waterloo, im Gegenteil: Das Stück mit der grossartigen Sandra Studer in der Hauptrolle war jeden Abend ausverkauft. Fast wie zu den Aktivzeiten der schwedischen Popband, was auch schon 44 Jahre her ist.
Dass die Maag-Halle überhaupt existiert, ist vor allem Darko Soolfrank und Guido Schilling zu verdanken. Erster, Werber aus dem Zürcher Oberland, produzierte 1995 zusammen mit seinem Geschäftspartner Schilling das Weltraummusical «Space Dream» als Eigenproduktion in Baden. Ein Riesenerfolg, der fünf Jahre am Stück gezeigt wurde und Hunger nach noch Grösserem weckte. So wurde exakt vor 25 Jahren für das Musical «Deep» die Maag-Halle, eine damals leerstehende Zahnradfabrik beim Bahnhof Hardbrücke, zu einem 900 Plätze fassenden Saal umgebaut. Gemäss der ABBA-Devise: «I have a dream».
Was folgte, ist Zürcher Kulturgeschichte; trotz – und das ist für die hiesige Branche unüblich – fehlender Subventionen und Gegenliebe des obersten Kulturestablishments. Das Stück «Ewigi Liebi» zog über 750 000 Besucherinnen und Besucher an: Schweizer Rekord. Aber auch die nachfolgenden Produktionen füllten den Saal. Mittlerweile beschäftigt das Maag-Imperium 70 Mitarbeitende, betreibt mehrere Restaurants und eine hauseigene Lichthalle, die regelmässige spektakuläre Ausstellungen zeigt. «The Winner Takes it all…» Doch wie immer in Zürich, kaum ist ein Saal erfolgreich, soll er abgerissen werden. Beim Schauspielhaus konnte es gottseidank verhindert werden, doch beim Corso-Kino ist es geplant und auch bei der Maag-Halle könnte es Realität werden. Wie sangen bereits ABBA: «S.O.S.» Die Hoffnung liegt nun beim Bundesgericht, dass in den nächsten Monaten entscheiden will, ob die Maag-Halle schutzwürdig sind oder eben nicht. Bis dann gilt jedenfalls ganz einfach: «Thank You For The Music».




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Maag-Halle: Thank You For The Music