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EM 2025: Zwischen Taktik und Tränen

Die Fussball-Europameisterschaft 2025 ist ein historischer Moment für den Schweizer Fussball. So viel mediale Aufmerksamkeit für die Spiele der Frauen war noch nie. Doch manche Schlagzeilen wirken, als hätten die Schreibenden das Wesentliche aus den Augen verloren: den Sport.

Von «Tränen-Aus und Verletzungsschock» ist da die Rede, die «Captain muss weinend raus», man liest von «tränenfeuchten Augen», «rührenden Gesten» und dem «Zuflüstern von Mut», staunt über «kreischende Isländerinnen», ein «aufgewühltes Nati-Juwel», ein «Liebesduell» und das «Tal der Tränen». Begriffe, die eher an einen kitschigen Liebesfilm erinnern als an eine Fussball-EM.

Dass die Emotionen gross sind, auf dem Platz genauso wie bei den Fans, ist unbestritten. Doch sobald sie zum Hauptthema werden, gerät in den Hintergrund, was die Spielerinnen tatsächlich leisten. Ihre Taktik, Präzision, Durchsetzungskraft und ihr Kampfgeist verdienen Respekt und Sichtbarkeit. Zu lange wurde ihnen all das abgesprochen.

Wie lässt sich die gefühlsbetonte Sprache erklären? Vermutlich mit nach wie vor präsenten Stereotypen. Oder mit Journalistinnen und Journalisten, die wegen der eigenen tränenfeuchten Augen nicht nur die sportliche Leistung der Spielerinnen aus dem Blick verlieren – sondern auch ihre journalistische Verantwortung.



Annette Häcki ist Mitinhaberin des Beratungsunternehmens Day Partners und engagiert sich für die Sichtbarkeit von Marken, Menschen und Meinungen. Zuvor war sie viele Jahre in den Kreativ- und Geschäftsleitungen namhafter Agenturen tätig. Sie ist Mitgründerin des Gislerprotokolls und tritt regelmässig als Keynote-Speakerin auf.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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